Leider konnte mein Bruder Michael nicht mitspielen. Daher haben wir Gloomhaven ein weiteres Mal ausgesetzt. Wir möchten ungern ohne die komplette Gruppe an dem Spiel vorankommen.

Timo hat daher Champions of Midgard mitgebracht. Ein solides Workerplacement-Spiel mit würfellastiger Kampfkomponente. Da er die Kickstarter-Versioin besitzt, konnten wir auf der Neopren-Matte spielen, die nicht nur den Spielplan des Basisspiels, sondern auch gleich die Spielpläne der beiden Erweiterungen sowie einem Rundenzähler mit eingearbeitet hat.

Die Basis des Spiels wird durch einen einfachen Workerplacement-Mechanismus gebildet. In unserer 3-Spieler-Runde hatte jeder Spieler 3 Arbeiter in Form eines historisch nicht korrekten Wikinger-Meeples. Klischeehaft erkennbar am Hörnerhelm. Kleiner Exkurs: Inzwischen wissen wir, dass Wikinger keine Hörnerhelme trugen. NIrgends gibt es Hinweise darauf. Angeblich geht der Irrglaube auf die Oper „Ring der Nibelungen“ von Richard Wagner zurück. Die einzigen Andeutungen für echte Hörnerhelme scheinen Ritueller Natur zu sein.
Zurück zum Spiel. Durch das Setzen der Winkinger erlangen die Spieler in erster Linie Ressourcen (Gold, Holz und Fleisch), neue Aufträge um an Bonus-Siegpunkte bei Spielende zu kommen oder  neue Würfel, welche jeweils einen Krieger repräsentieren. Diese Belohnungen erhält man sofort.

Des Weiteren kann man seinen Arbeiter auch in ein Kampfgebiet stellen. Nachdem alle Arbeiter verteilt wurden, werden diese Kämpfe dann abgehandelt. Besiegte Gegner bringen neben Siegpunkten auch Ressourcen, neue Würfel oder andere Belohnungen. Die mutigen Krieger, die gegen Trolle, Untote (Draugr), Bergriesen und mytische Monster in Übersee in den Kampf ziehen werden durch unterschiedliche Würfel in unterschiedlichen Farben und unterschiedlichen Werten dargestellt. Es gibt Bogenschützen, Berserker, Schwertkämpfer usw. Einige treffen öfter aber mit wenig Schaden, bei anderen ist es andersherum oder es gibt andere Nachteile die die Vorteile eines Würfels aufwiegen. Im Kampf gefallene Würfelkrieger gelangen nach Valhalla und werden durch Marker ihrer Farbe dargestellt, die als eine Art Währung funktionieren. Mit diesen Markern kann man die Gunst der Valküren erkaufen. Das sind weitere Karten, die einem Spieler nach dem Kauf sofortige oder andauernde Bonusse gewähren.

Nach 8 Runden ist das Spiel vorbei und es kommt zur Schlusswertung. Hier können weit zurückliegende Spieler noch ein wenig aufholen, wenn sie z.B. viele Aufträge besitzen, die am Spielende nochmals Punkte bringen. Meist sind diese in der Form „Wenn du die meisten Untoten/Riesen/gelben Gegner getötet hast“ oder „Wenn du das meiste Holz/Gold/Fleisch besitzt“ angegeben. Kann man die Forderung erfüllen gibt es Extrapunkte. Diese sind allerdings eher überschaubar und aus meiner Sicht heraus zeichnet sich der Gewinner bereits während des Spiels durch die sofortigen Siegpunkte ab. Nicht zu spät bekämpft man nämlich Gegner die jeweilös um die 10 Punkte bringen. zwei oder drei Aufträge mit jeweils 6 Punkten oder 1 Punkt für je 3 Gold bringen da auch nicht mehr viel.

Das Spiel an sich gefiel mir aber sehr. Es rangiert neben Stone Age und Lords of Waterdeep ganz oben auf meiner Liste an guten Worker-Placement-Spielen.

 

Weil das Spiel nach guten zwei Stunden durch war, hatten wir noch Zeit für ein weiteres. Die Wahl wurde mir überlassen und ich packte „Fiese Freunde, Fette Feten“ aus. Dieses Spiel simuliert im Grunde grob eine durchgeknallte Lebensgeschichte. Jeder Spieler hat 5 Lebensziele verdeckt auf der Hand, die er erreichen muss. Darunter fallen so skurille „Ziele“ wie der erste Herzinfarkt oder Das Gründen einer Sekte. Jeder Spieler bekommt ausserdem eine Tafel auf der die verschiedenen Werte des Spielcharakters angezeigt werden. Dies sind ausnahmsweise mal nicht Stärke, Geschicklichkeit und Charisma, sondern Werte wie Alkoholabhängigkeit, Drogenkonsum, Religion, Fettleibigkeit, Vermögen und Krankheit. Des Weiteren markiert man auf der Tafel, welche Freunde man hat, mit wem man in einer Beziehung ist, ob man einen Ex-Partner oder Partnerin hat, mit wem man schon Sex hatte oder sogar Kinder zeugte usw.

Das Spiel selbst besteht im Großen und Ganzen darin, auf ausgelegte Karten zu bieten. Erfüllt man die Voraussetzungen einer Karte, darf man auf sie bieten und die Eigenen Werte oder Beziehungen wie angegeben ändern. So muss man für die Karte „Als Abstinenzler auf eine Party gehen“ kein Alkoholiker sein, den Wert also auf der „0“ haben. Dafür wird durch den Partybesuch der Wert für Rauchen und Traurigkeit um 1 erhöht, da man ja nüchtern in der Ecke sitzt und sich das Gelaber der betrunkenen Mitmenschen anhören muss. Und einen neuen Freund lernen wir auch dabei kennen, denn wir müssen als Abstinenzler ja die Leute nach Hause fahren.

Wer in das Spiel in der Richtigen Runde spielt kann sich also zu jeder Karte kreativ ausmalen wie das aktuelle Leben weitergeht. Ich habe z.B. in der Pubertät gerne Zigarettenautomaten geknackt. Durch die immer wieder kehrenden Besuche der Polizei und die andauernden Strafen haben sich meine Eltern entzweit und ließen sich scheiden. Dadurch kam ich an Geld aber widmete mich aus Frust dem Sport. Leider war ich kein guter Sportler so dass ich mich dopen musste. Auf der Klassenfahrt lernte ich dann Dörte kennen aber ausser ein wenig fummeln passierte nichts. Bernds Charakter verführte mich dann zu einer homosexuellen Beziehung in der aber auch nichts lief. Dörte verließ mich und auch Bernd lies mich sofort wieder sitzen.Ich verlor mich in tiefsinnige Pausengespräche, die mich aber auch nicht ablenken konnten, mir aber den Alkoholkonsum ausredeten. Durch die ganzen Parties auf denen ich nichts trinken konnte, wurde ich immer trauriger und isolierter. Schließlich hatte ich meinen ersten Herzinfarkt. Den überlebte ich aber und gründete daraufhin eine Sekte. Sex war leider immer noch nicht drin…

Naja und so geht die Geschichte dann weiter… Ist sicher nichts für jedermann, da sich das Thema Sex und Drogenkonsum durchs ganze Spiel zieht. Aber in der richtigen Gruppe macht es schon Laune. In unserer dreier-Runde zündete es nicht ganz so wie erhofft. Auch weil eigentlich nicht viel über den eigenen Lebensweg erzählt wurde. Lustig war es aber trotzdem und über die ein oder andere Kartenkombination konnten wir schon lachen. Vor Allem wenn man das Spiel noch nicht kennt, sind die Bilder und Titel der Karten oft sehr lustig gewählt.